Manchmal…verrückt.

Manchmal denke ich an dich und muss weinen. Einfach so.
Wenn mir alles zuviel wird in meinem Leben, dann sehne ich mich besonders nach deiner Nähe, deiner Wärme.
Seitdem du nicht mehr da bist, ist alles anders.
So plötzlich. Es kommt immer plötzlich, selbst wenn es absehbar war.
Absehbar, weil ALLES einmal ein Ende hat. Unendlich kann der Verstand eh nicht begreifen. Genauso wenig wie ewig.

Mein Leben fühlt sich so anders an – ohne dich.
Mein Leben ist anders – ohne dich.
ICH bin anders – ohne dich.

Ich fühle mich entwurzelt.
Manchmal schwebend – das fühlt sich gut an.
Manchmal aber auch in der Luft hängend – das fühlt sich ungut an.

Manchmal weiß ich garnicht mehr, ob ICH überhaupt noch ICH bin.
Nicht nur mein Leben ohne dich, fühlt sich fremd an.
Auch ICH fühle mich fremd an, in mir selbst.

Ich sehe mich. Ich sehe mich von außen. Von oben.
Ich muss gut auf mich aufpassen.

Einfach so. Weil man es eben muss.

Vorher musste ich gut auf mich aufpassen, damit ich gut für DICH sorgen konnte.
Jetzt muss ich  gut auf mich aufpassen, weil ich nur noch für mich selbst sorgen muss.
Das fühlt sich leer an. Unwichtig. Sinnlos. Falsch.
Ich fühle mich leer an. Falsch.
Innen drin fühlt es sich hohl an.

Mein Kopf ist still.
Mein Blick ist leer.
Mein Herz zieht sich zusammen.
Mein Magen auch.
Meine Kehle ist zugeschnürt.
Meine Atmung flach.

So, wie sich derzeitig mein Leben anfühlt. Flach. Ohne jeglichen tieferen Sinn.

Keine Begegnung, keine Bekanntschaft, keine Errungenschaft fühlt sich echt an, oder gar wichtig.
Nicht vergleichbar.
Du warst echt. Mit dir in meinem Leben fühlte ich mich echt.

Das Leben mit dir war kompliziert. Das Zusammenleben mit dir war es nicht.
Du warst so…
…so echt. Bei dir wusste ich, woran ich war. Das tat gut. Du hast mir so gut getan.
Du fehlst mir.

Manchmal, wenn ich mich zur Ruhe kommen lasse, muss ich an dich denken. Dann fehlst du mir noch mehr.
Es gibt von allem immer noch eine Steigerung,
bis man am Ende des Schmerzes angekommen ist und kurz davor steht, verrückt zu sein.

Verrückt.
Ver – rückt.

Wie ein Möbelstück, das immer seinen Platz hatte. Es war Teil der Ordnung. Alles stand an seinem Platz.
Eines ist nun weg. Da sieht alles andere, was noch da blieb, verrückt aus.
Dort ist nun ein leerer Fleck.
Ein Umriss. Wie ein Spiegel, der 12 Jahre den gleichen Platz hatte.

Zerbrochen. Nur noch der Rahmen ist da, der den Spiegel trug.
Die Wand dahinter ist weiß.
Wie eine weiße Kinoleinwand.
Rings herum haben sich Ablagerungen angehaftet. Nikotin. Straßenstaub.
Spinnweben.

Nur noch Spuren erinnern daran, dass da mal ein Spiegel war.
Ansonsten ist da nichts mehr.
Da war es wieder, das Nichts.
Nicht mehr da. Leer. So wie ich – manchmal.

Aber – in ein leeres Gefäß kann sich wieder etwas neues hinein füllen.

Manchmal.

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Die Zeit dazwischen – Gehalten loslassen

Zwei Prüfungen, zwei Männer.

Übrig blieben Einsen und Einer.

Ich habe meine Prüfungen sehr gut bestanden. DAS hätte ich nie gedacht. Ich habe es gehofft. Habe gehofft, dass meine Fachlichkeit, zusammen mit meinem Auftreten überzeugend sind.

Ist wohl so.
Ich war in einem Rausch. In Anspannung, wochenlanger Flach-Atmung, Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit.
Und SO soll ich noch handlungsfähig sein?

Muss ich ja im Leben und im Beruf auch. Und war ich bereits zuvor. DAS sagte ich mir immer wieder.
Wenn man einer „großen Sache“ eine noch größere gegenüber stellt, dann verliert sie an Bedrohlichkeit und Größe.
Wenn man sich viele kleine Inseln in den Alltag einbaut, die einem Freude bereiten. Wenn man sich gleichzeitig Herausforderungen stellt, die schön sind – wie zum Beispiel Karaoke singen auf der Bühne oder Männer kennen lernen, dann kann man sich einreden, dass diese andere (eigentlich doofe) Herausforderung auch ganz toll ist und Spaß macht.
Das klappt prima. Hat das Gehirn garnicht mitbekommen.

Dauergrinsend läuft man dann in der Gegend umher. Habe mal gehört, dass das Gehirn nicht unterscheiden kann, ob man wirklich fröhlich ist und deswegen grinst. Es fällt auf die Gesichtsmuskulatur rein, die ich bewusst steuern kann und schickt entsprechende Hormone, die mich gut fühlen lassen. Das nimmt Stress.

Guter Trick. Hat geklappt.

Nebenbei also, dekorierte ich meine Zeit des Lernens und Prüfungsstresses, Zeiten des Aufruhrs und der Trauer, Zeiten des Verarbeitens und Betäubens – mit Fressen, Sport und Männern.
Erst mit dem Einen, nun mit dem Anderen.
Weg vom Betäuben, hin zum Genießen.

Der Eine wollte keine Beziehung. Wir kennen uns schon viele Jahre. Wir schliefen miteinander. Es funzte. War aber auch ein Spiel mit dem Feuer, da wir den selben Freundeskreis haben. Vielleicht war es auch das Spiel mit dem Feuer, was ihn so interessant für mich machte. Und mich für ihn.

Nebenbei schrieb ich mir mit dem Anderen. Nicht Sexuelles. Nur Alltägliches. Zwei Monate zeigte er sich geduldig.
Ab dem Moment, als ich erfuhr, er ist allein erziehender Vater eines pubertierenden Sohnes, hatte er mich.
Ne, eigentlich ab dem Moment, als er ein Foto von sich und seinem Sohn als Profilbild einstellte.
Auf dem Foto liegt sein Dreijähriger auf seiner Brust. Er hält ihn fest im Arm- Der Junge wirkt geborgen in den großen starken Armen (des Holzfällers, der er nunmal ist). Nagut, es nennt sich Großbaumfäller – aber von der Sache das selbe.
DAS will ich auch! Ich will mal keinen schmächtigen, schlanken, drahtigen, der sich im Prinzip noch wie ein kleiner Junge an meiner Seite verhält, weil er seine Mami in mir sucht.
Ich will mal einen Mann. Einen, der ein bisschen Macho ist und das mit Recht. Einen, der sich von mir nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, was er sich ja bei seinem Sohn auch nicht erlauben kann.
Einen, dessen Körper sich anfühlt, als würde ein Baumstamm neben einem liegen und nicht ein glitschiger Aal.
Genau – ich ändere einfach mein Beuteschema.

Gedacht, gemacht.

Ich verabredete mich also mit dem Anderen und ent-verabredete mich mit dem Einen.
Daraufhin gestand mit der Eine seine ernsten Absichten. Schrieb mir die wohl schönste Liebeserklärung, die ich bisher erhalten habe (aber schreiben kann man viel, wenn der Tag lang ist).

Wieder ein Gefühlschaos.
War ja nicht so, als hätte ich nicht auch mal einen Gedanken daran verschwendet, wie die gemeinsame Zukunft mit ihm aussehen könnte, wenn er denn wollen würde.

Aber, ich hatte mich zu dem Zeitpunkt schon auf den anderen eingelassen. Gedanklich und gefühlsmäßig.
Den Einen als nicht passend eingestuft.

Aber dies im Gespräch zu vermitteln fiel mir schwer.
Zumal der Eine eine Depression hat und auch Tendenzen zur emotionalen Erpressung.
Doch wann weiß ich, wann er mich nur erpresst oder seinem Leben tatsächlich mal ein Ende setzt.
Und ICH soll DAS dann verantworten müssen, nur weil ich KNALLHART, wie sonst auch, etwas beendete?

Ich bin ja eigentlich nicht knallhart. Nur klar. Und in dieser Klarheit eben auch unerbittlich und felsenfest.
Aber aufgrund seines Gesundheitszustandes blieb ich unklar. So dass er wohl bis heute noch auf eine Entscheidung für sich oder den Anderen wartet.

Derzeit habe ich leichte Schwierigkeiten klar zu machen, was ich mir wünsche und was ich nicht möchte.
Fühle mich leicht handlungsunfähig. Mehr reaktiv als aktiv.
Werde mich auf die Zeit berufen müssen.

Ich muss und möchte mir Zeit geben.
Zeit, um im Beruf anzukommen. Dienstag ist mein erster amtlicher und offizieller Arbeitstag in neuer Stellung der selben Firma.
Ich möchte mir die 14 Tage Einarbeitungszeit nehmen, die ich aushandelte. Ganz gleich, ob meine Kollegen meinen, es sei langsam und man müsse mit dem Druck klarkommen, ins kalte Wasser geworfen zu werden.
Ich möchte akzeptieren, dass ich mehr Zeit benötige, um mir alles anzugucken. ZU durchblicken. Und nun arbeite ich ja auch in einer Firma, in der das möglich ist. Warum also sollte ich mir die Zeit nicht zugestehen und den Raum einnehmen.

Das Gewicht, das ich derzeit verliere – ganz von allein übrigens, weil andere Dinge grad wichtiger sind und Essen als Beruhigungsmittel grad nicht greift – muss ich mir nun im wahren Leben anders geben. Mich wichtig nehmen, ohne überheblich zu sein.
Raum einnehmen, ohne dass ich meinen Körper durch das Übergewicht dazu zwinge.

Ich sprach mal von Ge-Wichtigkeit. Die Angst, nicht mehr wichtig zu sein, nicht mehr Ernst genommen zu werden, wenn ich schlank bin. Die Angst, dass die Menschen mich übersehen.
Wo sie doch sonst automatisch auf mich achten müssten und mir dann Raum geben müssen.
Was allerdings auch nicht immer passiert.
Weshalb ich dann immer völlig echauffiert reagiere. Fassungslos darüber, wie jemand es wagt, auf mich, als Übergewichtige, nicht Rücksicht zu nehmen.

Ich möchte selbst Rücksicht auf mich nehmen können. Habe das Gefühl, das könnte ich bei dem Anderen gut lernen, wenn er mich lässt.
Im Kontakt mit dem Anderen ist diesmal alles anders. Weil ICH anders bin.
Trotz des anderen Beuteschema scheine ich Verhaltensweisen zu triggern, dass sich die Beziehung zu dem Anderen so färbt, wie die zu meinem Vater.
Aber etwas ist dennoch anders als bei allen anderen zuvor.
ICH habe mich verändert.

Der Verlust meines Hundes/Babys/Partners hat mich verändert. Hat mein ganzes Dasein und wie ich es haben möchte auf den Kopf gestellt.
Der Stolz, eine weitere Herausforderung so gut gemeistert zu haben (letztlich sagte ich mir auch, dass Noten nicht entscheidend sind, Hauptsache, ich gab mein Bestes. Diese Haltung verschaffte mir eine gewisse Gelassenheit).
Der Fakt, dass da Männer sind, die an mir als Frau aber nicht nur an meiner Sexualität interessiert sind, trotz meines Übergewichts, nimmt mir den Druck abnehmen zu müssen, um überhaupt erst wieder „ernsthaft mitspielen“ zu können.

Wobei ich nun auch meine Ängste sehr stark spüre.
Versagensängste im Beruf. Falsche Entscheidungen zu treffen, die Leben kosten können (im Worst case).
Verlustängste, bevor ich überhaupt in einer festen Beziehung bin.
Ob ich das überhaupt will, frage ich mich derzeit.

Im Moment treffe ich mich mit dem Anderen 1x wtl. Danach habe ich 6 Tage um mich wieder zu sammeln, mich auf mich zu konzentrieren und zu besinnen; darauf, was ICH möchte.
Natürlich ist es schön, wenn früher oder später zwei Leben ein bisschen mehr verschmelzen. Derzeit weiß ich aber wirklich nicht, ob ich das alt hergebrachte Muster einer zweier Beziehung, wie ich es zuvor immer lebte, noch möchte.

Auch hier kann ich mir sagen – kommt Zeit, kommt Rat.
Ich bin froh, dass derzeit alles ganz langsam geht.
Bin dankbar, für die Zeit, die mir das Leben grad lässt.
Zeit zum Abnehmen. Zeit zum reflektieren. Zeit zum zu-mir-finden.
Zeit zum bei-mir-bleiben.
Zeit zu überlegen.
Zeit zum Erspüren meiner Gefühle zu den jeweiligen Situationen.
Zeit Freunde zu treffen. Überhaupt – MEIN Leben zu leben, wie ICH es mag.

Und in der Zwischenzeit lasse ich mich (als Nähe und Körperkontakt-Phobikerin) in die starken Arme des Anderen nehmen.
Ich lasse mich halten und halte mich fest. Gelegentlich halte ich auch. Aber selten. Auch DAS ist neu. War doch sonst immer ICH diejenige, die den Halt bot. Für alle.
Derzeit genieße ich es also gehalten zu werden, ganz fest.
Und übe mich weiterhin im Loslassen.
Loslassen von Erwartungen. Meinen und denen anderer.
Loslassen von Ängsten – dass es gut laufen könnte oder schlecht.
Was wäre schlimm am gut laufen?
Ganz einfach, wenn etwas gut läuft, habe ich meist noch mehr vor Augen, wie schlimm es nun wäre, es zu verlieren, oder enttäuscht zu werden.
Wenn etwas schlecht läuft – na, dann läuft es schlecht und der Verlust tut nicht so weh. Deswegen arbeitet gelegentlich ein selbst-boykottierender Teil meiner Psycho-Instanzen so, dass ich etwas schlecht laufen lasse. Meist in Beziehungen zu Männern.

Mit stoischer Gelassenheit und Geduld reagiert der Andere, mich im Arm haltend. Ganz fest.
Die Angst, DAS zu verlieren oder es zu „besitzen“ und dann wieder zu verlieren ist derzeit am größten.
Aber, ich übe mich im Loslassen. Das geht gut mit Sport… und Geduld mit mir selbst.

Loslassen – die wohl schwerste Prüfung im Leben.

Wiederholungszwang = Vollendungsdrang

Macht Sinn.

Lebensspuren

DSCN6042 (1280x1209)Ich möchte mich mit dem Thema – das ich ihm vorhergehenden Blog-Artikel zu Katharsis bereits erwähnt habe – nun weiter befassen.

„Wiederholungszwang“ ist ein Begriff, der auf Sigmund Freud zurück geht:

lt. Wikipedia: Wiederholungszwang ist ein von Sigmund Freud definierter Begriff zur Begründung des sonst schwer erklärbaren menschlichen Impulses, unangenehme oder sogar schmerzhafte Gedanken, Handlungen, Träume, Spiele, Szenen oder Situationen zu wiederholen…….
Freud setzt sich in dieser Arbeit auch mit der Fragestellung auseinander, woher die Beharrlichkeit eines neurotischen Symptoms komme, wenn diese offensichtlich für den Analysanden ein Leiden darstellt…“

Verbindet man Freuds Beobachtung, die er als „neurotisches Symptom, das Leiden verursacht“ mit Peter A. Levines Erkenntnissen durch Beobachtungen an Wildtieren, liegt klar auf der Hand, dass es sich um ein und dasselbe Phänomen handelt.

Ich wiederhole der Einfachheit halber hier die Schilderung in Levines Buch “Vom Trauma befreien: Wie Sie seelische und körperliche Blockaden lösen”:

„Wildtier-Biologen verfolgen einen verängstigten…

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Vom VIP – Dasein einer Karaoke Sängerin

Hannes habe ich bis dato nicht wieder getroffen. Allerdings war ich seitdem auch nicht mehr in DER Bar.
Dafür war ich schon einen Tag später in einer anderen Bar.
Zum Karaoke Singen. Ich liebe Karaoke Singen. Ich mag es den anderen zuzuhören und ich mag es,
wenn mir zugehört wird.
Beim Karaoke geht es nicht darum, schön und richtig zu singen. Es geht darum, die Sau rauszulassen, egal wie es klingt.
Ich wage sogar zu behaupten, dass die Leute, die besonders schräg singen, einen echten Fanclub haben.

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Natürlich freut es die Ohren der Leute auch mal zwischendurch wohlige Klänge zu vernehmen. Hier singe ich dann gerade.
Ich kann leider einfach nicht schräg und schief singen. Ich bin dazu verdammt, wegen meines musikalischen Gehörs,
auf ewig „schön“ zu singen. Schön, dachte ich immer, sei einfach nur langweilig.

In einer völlig übervölkerten kapitalistischen Industrie – und Konsumwelt geht es ja vielmehr immer um das Alleinstellungsmerkmal, um sich von anderen Marken, Unternehmen und Menschen abzuheben.

Wobei, es gibt eben die, die herausstechen, durch Besonderes und es gibt – den Durchschnitt.
In der Welt der Sänger, im Musikbusiness wäre ich eine unbemerkte, mittelmäßige Sängerin, die kein Gesamtpaket zu bieten hat, wie Bohlen taktlos aber unterhaltsam anmerken würde.

Was bin ich froh, dass es diese ganzen Talentshows damals noch nicht gab, als ich mit 15-19 Jahren noch Sängerin werden wollte. Und dann auch noch im Fernsehen. Hätte ich Erfolg gehabt, hätte ich diesem nicht standhalten können. Dazu ist mein Seelchen zu zart. Ich wäre wohl dem Club der 27 Jährigen beigetreten. Wobei ich ja Amy, Janis und Co. das Wasser nicht reichen könnte. Es wäre eher ähnlich tragisch wie der Abgang von Rex Gildo, der bestimmt darunter litt, im Leben nur diesen einen Hit gelandet zu haben.

Dabei ist das ganze Werte – und Konkurrenzsystem so giftig und scheiße. Es sollte sowas nicht geben. Sicherlich, es geht um Verkaufszahlen. Sollte es aber nicht.
Das ist etwas, das man immer wieder ausblenden sollte.
Man benötigt eine bestimmte Weltanschauung…eine spirituelle, religiöse, philosophische (wie auch immer, jedem das seine), damit man sich immer wieder auf den wahren Wert besinnen kann.

Diese Reife hätte ich damals noch nicht gehabt. Die Mühlen des Musikgeschäfts hätten mich in null komma nichts zu Feinstaub zermahlen, der anderen allenfalls als Kitzeln in der Nase aufgefallen wäre. So unbedeutend wäre meine Existenz gewesen.
ABER
Ich hatte meine Chance durchaus, habe sie genutzt und schnell festgestellt „Mit dieser Art von Menschen möchte ich nichts zutun haben.“
Ich kann am Ende meines Lebens sagen, dieses Risiko ging ich ein. Und ich benötige nicht noch mehr Schläge in die Fresse, um zu erkennen, dass ich für dieses Business nicht gemacht bin.

Und auch heute noch, kann ich mich schwer damit abfinden, NUR der Durchschnitt zu sein. Nix besonderes.
In der Gesamtheit der Menschheit betrachtet.
Sicherlich, für den einen oder anderen Menschen bin ich durchaus von Wichtigkeit. Aber in der Masse gesehen, bilde ich den Durchschnitt.

Ich bin durchschnittlich schlau, nimmt man meine Abi Abschlussnote, bin durchschnittlich hübsch.
Was tue ich also, um mich doch irgendwie besonders zu fühlen?
Ich begebe mich in eine Ausbildung, bei der ich, am Durchschnitt gemessen als Klassenbeste hervorgehe.
Ich stelle mich auf die Bühne und schmettere die schwersten Songs unter Leuten, die alle nicht singen können. Lasse mich feiern, mit standing ovations, als tolle Sängerin.

Warum tue ich das? Ich will mich wohl noch immer besonders fühlen.
Was hat das alles mit meinem Gewicht und Essverhalten zutun?
Solange ich dieses Gefühl von „mich wichtig und besonders fühlen wollen“ fühlen will,
werde ich es kompensieren.
AUCH über mein Gewicht.

ICH VERLEIHE MIR GEWICHT – GEWICHTigkeit.
Es ist jedoch ein großer Unterschied zwischen, sich wichtig tun und sich wichtig fühlen.
Bei all meinen Situationen, die ich kreire um mich überlegen zu fühlen, weiß ich, dass es auch immer Menschen geben wird, die es noch mehr drauf haben, als ich. Und nur, weil ich hierin und darin gut oder besser bin, bin ich das nicht in Gänze.
Ich denke, ich bin ein ganz angenehmer Zeitgenosse.
Obwohl mich eine meiner langjährigsten Freundinnen immer Judge nennt, weil ich die Angewohnheit zu haben schein, Dinge und Situationen in die Hand zu nehmen und sie organisieren und zu regeln.
Ganz so, wie Judge Dredd (Silvester Stallone) aus dem gleichnamingen Film. „I am the Law!“ sagt er.
Naja, ganz so spiele ich mich nicht auf. Aber manchmal fordern Menschen einem genau diesen Teil meiner Persönlichkeit heraus.

Ja, auch der Größenwahn ist dem Kleinheitswahn nicht so fern. Zumindest meiner nicht.

Mir fehlt, wie vermutlich den meisten Menschen, das Urvertrauen, dass ich ok bin, wie ich bin.
Da gibt es ein gutes Buch „Ich bin ok, du bist ok.“
Habs nie ausgelesen. Konnte mich damit nie wirklich ehrlich auseinandersetzen.

Ich weiß vom Kopf her, dass jedes Lebewesen einzigartig ist. Aber als Kind dysfunktionaler Eltern, ist mir diese
Erfahrung nie in mein Herz gelegt worden.
Ich kann es nicht fühlen. Ich näher mich diesem Gefühl jedoch an.
Das ist ein Prozess, den ich immer wieder bewusst anschieben muss.
Tue ich dies nicht, erledigt es mein Leben für mich.
Dann passieren meist Dinge, die mich dazu zwingen, mich mit einem bestimmten Thema meiner selbst auseinanderzusetzen.

Deswegen brauche ich diesen Blog. Schreiben verpflichtet mich, zu reflektieren. Egal ob mich oder die Welt.
Öffentliches Schreiben verpflichtet, überhaupt zu schreiben.
Hätte ich mir nicht diesen Termin gesetzt, würde ich schludern.

Sicherlich, ich könnte auch eine Therapie machen oder Selbsthilfegruppen besuchen.
Habe ich alles schon hinter mir. Ist für eine gewisse Zeit auch wirklich gut, weil hilfreich.
Aber, seine eigenen Gedankenirrungen und Wirrungen hier konserviert zu wissen tut irgendwie auch gut und fühlt sich nochmal ganz anders an.

Und dazu kommt, Schreiben macht mir Spaß. Und da ich in gewisser Weise eben auch eine Rampensau bin,
ist es für mich wichtig, dies zu veröffentlichen.
Ich hatte lange überlegt und überlege immer auch mal wieder zwischendurch, meine Schreibperspektive
zu ändern.
Es wäre lustig, es auszuprobieren, wie es sich anfühlt, davon zu schreiben, dass ich eine Bekannte habe oder eine Freundin, die das alles erlebt, denkt und fühlt, was ich gerade erlebe, denke und fühle.
Der Nutzen? Ich könnte alles dementieren. Es wäre ein Sicherheitsnetz.
Auf der anderen Seite genieße ich eben auch den Nervenkitzel, tatsächlich bei mir selbst in den Erzählungen zu bleiben.
Es ist beim Schreiben ein Gefühl, ganz nah an mir dran. Es findet in mir statt. Nochmals – aber anders getönt.
Und würde ich von mir in der zweiten Person schreiben, würde ich diesen Effekt der Erkenntnis vermutlich schmälern.

Denn oft ist es ja so, dass beim Schreiben, Dinge aus mir herausfließen, auf die ich zuvor keinen Zugriff hatte.
Es ist so, als ob ES aus mir heraus schreibt. Ein Anteil meiner Selbst, den ich sonst nicht so oft zu Wort kommen lasse, im Stress des Alltags oder Rausch des Abenteuers.

Alles hat also auch etwas Gutes.
Es ist gut so, wie es ist.
Ich bin gut so, wie ich bin.

Es ist ja nicht so, dass ich als gescheiterte Psychologie Studentin und Ex-Erzieherin meinen derzeitigen Job nur deswegen mache, weil ich dort glänzen kann. Ich mache ihn einfach auch gerne, weil ich die Tätigkeit ansich erfüllend finde.
Ich erlebe soviel Dankbarkeit der Menschen, mit und für die ich arbeite. Soviele Situationen, die an meine Grenze, Substanz und ans Herz gehen – bei mir und meinem Gegenüber.
Es ist auch nicht so, dass ich als gescheiterte, erfolglose Sängerin auf einer Karaoke Bühne stehe, weil ich mich als Könnerin dort von nicht Könnern abheben kann.
Ich singe dort gern, weil es eine win:win Situation ist. Ich kann meine Gefühle über das Singen rauslassen und die Zuhörer und Mitsänger bekommen Gänsehaut. Ich kann sie berühren. Das freut meine Seele.
Mein Ego feiert, wenn sie applaudieren.
Aber meine Seele feiert, wenn sie danach einzeln zu mir kommen und mir sagen, dass sie Gänsehaut hatten.
Gerade so, als hätte meine Stimme, ihre Haut gestreichelt. Nahezu physisch berührt.
Ich schreibe diesen Blog nicht nur, um geklickt zu werden.
Ich freue mich, wenn ich jemanden berühren kann, mit meiner Person. Mit all dem, mit dem ich meine Persönlichkeit zum Ausdruck bringe.

Diese auf jede nur erdenkliche Weise nach außen zu transportieren, ist mein innerer Antrieb.
Es geht um den Ausdruck des Inneren einerseits und das Ankommen beim Gegenüber andererseits.
Es geht um Austausch.
Ja, in gewissem Sinne könnte man sagen, ich bin süchtig danach, in anderen eine Reaktion auszulösen.
Sie zu bewegen, damit sie sich selbst spüren können.
Weil es einfach nichts schöneres auf der Welt gibt, als sich selbst und vor allem
EINANDER zu spüren.

Auweia! Betrunken Flirten.

Nein, ich traf mich doch nicht mit dem jungen, sehr jungen Mann.
Es kann zu nichts führen und das finde ich nicht reizvoll.

  1. Ist er 20 Jahre jünger und hier fehlt nun wirklich noch etwas an Lebenserfahrung, um auf einer Ebene – auf Augenhöhe sein zu können.
  2. Fährt er in 10 Tagen nach Mexiko zurück.
  3. Weiß ich ja, dass ich mich „danach“ schlecht fühlen würde.
  4. Würde nicht von seiner Jugend etwas auf mich abfärben. Sondern ICH würde mich NOCH älter fühlen. Was ich ja auch bin – in Relation zu ihm.

Weiß garnicht, wie Männer das machen. Tom Cruise ja nun jüngst wieder mit einer 30 Jahre jüngeren.
Ich sag zwar immer „wo die Liebe hinfällt“ und es ist ja auch Seine Sache. Aber ich kann es mir nicht reizvoll ausmalen, mit all meiner Fantasie, dass eine solche Verbindung erfüllend sein könnte – auf Dauer.

Ob es Frauen generell anders geht? Oder ob das Geschlechter unspezifische und doch eher individuelle Wahrnehmungen sind? Naja. Is ja auch egal. Ich habe ja nicht den Anspruch einen empirischen evidenzbasierten Blog zu führen.
Von daher.
Zurück zu mir und MEINER verschrobenen Wahrnehmung der Gefühlswelten.

Ich habe derzeit wirklich, wirklich, wirklich mit dem Thema Alkohol zutun.

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Am Donnerstag morgen sagte ich das Treffen mit dem jungen F. aus Mexiko ab.
War darüber einerseits erleichtert, andererseits aber auch etwas frustriert, weil unbefriedigt.
Was folgte, war zum Glück keine Fressorgie.

Leider jedoch eine leichte Sauforgie.
Dabei begann der Abend ganz nett und seichte. Mit einem Videoabend, mit Freunden. Mir war jedoch klar, dass ich danach noch losziehen wollte.

Es gibt Stimmungen für Videoabende und welche für die Piste.
Mir war eindeutig nach Piste. Ich wollte mich ausprobieren.

Nachdem ich nun mittlerweile ausreichend erprobt bin, im Online Kommunikationsverhalten, will ich mich ja im realen Leben erproben.

Eine Freundin kam noch mit. Ich hatte beim Filmschauen allerdings schon begonnen vorzuglühen. Mit Hartstoff, wie ich ihn immer nenne. Geht schneller. Die Wirkung ist angenehmer. Allerdings irgendwie auch nachhaltiger. Was am nächsten Tag wenig Freude bereitet.
Je stärker der Rausch, desto böser der Kater – oder wie es neu Deutsch jetzt heißt das Hangover.
Hangover bringt auch immer Hangover adäquate Fressorgie mitsich.

Nachdem ich nun in der Bar saß, mit einer Freundin tiefsinnige, von Alkoholeinfluss gefärbte Gespräche führte, gesellte sich immer mal wieder – iniziiert durch den Gäste kuppelnden Barbesitzer – ein Typ zu uns, der locker einem Modekatalog hätte entsprungen sein können.
Auch schon reichlich betankt begab er sich abwechselnd zu uns beiden um dann am Tresen, mit betrunken unkoordinierten Bewegungen zurück zu rutschen zu seiner Entourage, bestehend aus Bruder, der auch auffallend attraktiv war,
wie seinem Cousin, der natürlich auch blendend aussah und dazu noch unverschämt jung war, wie sich später herausstellte.
Hannes, wie ich ihn mal nenne, war jedoch auf einer Aussehens-Skala eine 9,5. Nur eine 9,5, weil er ca. 1,85 und nicht 1,90 Körpergröße hatte. Sein Ego jedenfalls hätte wohl eine glatte 20 erreicht. Deswegen war er mir auch reichlich unsympathisch.

Meine Freundin machte auch sofort eine provozierende Bemerkung, so dass er sich gleich in ein Gespräch verwickelt sah.
Sie ist weitaus mehr flirt erfahren, was das reale Leben angeht, als ich.
Jedoch jedes Mal, wenn sie zur Toilette ging, verschwand Hannes zu seinem Teil des Tresens und ließ mich dort allein stehen.
Ich sagte ja auch nichts. Ich wusste nicht, was. Beteiligte mich nicht großartig an den Unterhaltungen. Wenn man sie in Anbetracht unseres Alkoholpegels noch so nennen konnte.
Da ich schon beim Video gucken ausreichend tankte, gab ich mich dort lediglich mit einer Cola zufrieden.

Nachdem wir mittlerweile auch Bekanntschaft mit Hannes‘ Cousin gemacht hatten, der mich und meine Freundin siezte, verabschiedeten sich alle drei. Vermutlich um weiterziehend noch mehr zu tanken. Es war ja auch erst 1:30 Uhr.
Wirklich Leid tat es mir nicht, denn wirklich sympathisch war er mir nicht. Aber ich sah ihn gern an. Ich guck gern schöne Menschen an. Da kann ich auch garnichts gegen tun. Meine Augen sind dann wie hypnotisiert.
Zu sehr von sich eingenommen. Selbstsicher, aber arrogant und unfreundlich irgendwie auch.
Zwei Stunden später, machte auch ich mich dann auf den Weg nachhause. Wollte ja am Samstag zum Sport.

Der Wirt machte sich noch etwas Sorgen, ob ich denn, allein durch die Nacht fahrend zuhause heile zuhause ankommen würde. Gab mir erstens seine Handynummer – ich möge ihn doch bitte wissen lassen, wenn ich zuhause ankam (netter Versuch). Heyyyyy, meine erste Handy Nummer im Real-Flirt-Versuch. Wobei ich garnicht mit ihm geflirtet hatte.
Außerdem bot er mir im Spaß an, jemanden zu organisieren, der mich nachhause brachte – zwei Bezirke weiter. Durch die böse, böse Stadt.

Ich torkelte auf dem U-Bahnhof lang. Parkte meinen alkoholisierten Körper lehnend an einem geschlossenen Kaffeeausschank.
Kaffee wäre jetzt toll.
Gegenüber war ein Bild angebracht. In Lebensgröße. Ein Strandkorb am Meer.
Das wäre schön, dachte ich uns seufzte verträumt, als ich Hannes betrunken den Bahnsteig, mir entgegen torkeln sah. Apropos Meer. Er war zwar in Berlin geboren, studierte jedoch in einer Hansestadt. Zumindest seiner Erzählung nach. Was auch seinen nordischen Küstenslang erklärte.

Sein Blick fixierte mich von weitem, sofern ihm dies noch gelang. Vermutlich sah er mich doppelt.
Er kam schnurstraks auf mich zu geschlendert. Fast schon lässig.
Man. Sieht. Der. Scheiße. Gut. Aus!

„Ach…..Hannes.“ konnte ich völlig selbstsicher von mir geben, weil ich ihn zwar gut aussehend aber nicht gut fand.
Er zögert kurz, bevor er antwortet indem er einfach nur meinen Namen sagt.

Als er vor mir steht, sehe ich, wie betrunken er tatsächlich ist. Und dass er sich trotzdem an meinen Namen erinnern kann, verwundert mich sehr.
Hatte ich doch den Eindruck, dass er auf meine Freundin stand.
Denn mit ihr unterhielt er sich. Dabei sah er sie an. Mich eher nicht.
Und immer wieder (naja es waren nur zweimal) ließ er mich allein stehen, wenn sie zur Toilette ging.

Ich war jetzt etwas irritiert.

„Wo musst DU hin?“ fragte ich ihn.
Nachdem wir feststellten, dass wir in die selbe Richtung mussten, hatten wir uns wieder nichts zu sagen.
Unangenhmes, ewiges, eisiges Schweigen.

Welche Erleichterung, als die Bahn einfuhr, ca. 30 Sekunden später.

Es war völlig unklar, ob wir in das selbe Abteil steigen würden. Oder uns getrennt hinsetzen würden oder zusammen.
Für mich wäre alles davon ok gewesen, weil ich einfach nicht wusste, worüber ich hätte reden sollen.

Er ließ mich immerhin zuerst einsteigen. Ich entschied mich für einen vierer Sitz. Er setzte sich gegenüber von mir.
Drappierte sich selbstverständlich in die Ecke, legte seine Beine diagonal in den Fußraum. So, als ob er sagen wolle: Hier ist der VIP Bereich – HIER hat sich niemand dazu zu setzen.

Naja, die Bahn war nicht voll. Von daher ok. Und er war nicht der Einzige, der sich weniger „gut gesittet“ benahm.
Er tat ja nichts, außer Raum einnehemend selbstverständlich da zu sitzen.

Unsere Knie berührten sich. Ich nahm meins dann weiter zu mir heran.
Immer wieder musste ich ihn anstarren, als er die anderen Fahrgäste beobachtete.

Ich hatte das Gefühl, eine Unterhaltung anzetteln zu müssen.

„Und? Was hast du studiert?“

„Rate.“
„Mhhh…Ingenieur?“

„Was Ingenieur? Ingenieure gibts viele!“ sagte er herausfordernd.
„Maschinenbau?“

„Ja.“
„Echt jetzt?“
„Jep.“

„Und was hast DU studiert?“ fragte er mich.
„Ich habe nicht studiert.“
„Ah, ok, welche Ausbildung?“
„Rate.“
„Erzieher.“
„Dein Ernst jetzt?!“ Gleich beim ersten Versuch und nicht mal geraten sondern gleich vorausgesetzt?

„Ich habe noch eine zweite Ausbildung, bzw. bin dabei.“

„Krankenschwester?“

„Krass, bist du der Mentalist oder hab ich n Schild auf der Stirn? Und – naja fast. So ähnlich. Altenpflegerin.“

Er lächelt. Fast süß. Fast sympatisch.

Jetzt guckt er mir tief und eindringlich in die Augen, seine Pupillen weiten sich für einen Moment stark.
Ich muss mir vor Verlegenheit auf die Lippe beißen und weg gucken. Kann dem Blick nicht standhalten.
Zu eindringlich.
Wieder schweigen wir.

„Woran hast du mir den Maschinenbauer angesehen?“
„Weiß nicht. War so n Bauchgefühl. Deine ganze Ausstrahlung, sachlich, kühl, ordentlich, sauber, klar und organisiert….ich weiß es eigentlich nicht wirklich.“

Er lächelt wieder. Wenn er lächelt könnte er auch aus einer Werbung für Zahnweiß Zahnpasta sein.

Ich fühle mich unwohl mit der Stille zwischen uns und bin froh, als Zoologischer Garten betrunkene, untereinander leicht pöbelnde, den ganzen Zug unterhaltende Typen einstiegen.

„Du guckst so bedrückt.“ formulierte er es als Feststellung, wartete aber meine Antwort ab, was also eine Frage implizierte.
„Ich finde Schweigen unangenehm. Smalltalk ist nicht so meine Stärke.“

„Aha. Kommst lieber gleich zur Sache, ja?“
Ich antworte darauf nur mit einem vermutlich hochroten Gesicht. Beiße mir schon wieder auf die Unterlippe, weil ich total verlegen bin, plötzlich.
Nicht so, dass ich nicht drüber nachgedacht hätte, wie der Sex mit ihm wohl wäre.
Aber er war mir echt zu betrunken und zu arrogant.
ES ging auch gleich wieder meine Gedankenmühle los.
Irgendwie fühlte ich mich sowie ….zu dick und … nicht seine Kragenweite.
Ich fülte mich ihm gegenüber nicht ebenbürdig. SO gering scheint mein Selbstwertgefühl manchmal zu sein.
Da fällt mir wieder das Experiment ein. Gleich viele Männer und Frauen unterschiedlicher Attraktivität sollten einander zuordnen. Die Probanden erhielten von den Wissenschaftlern Nummern von ein bis zehn. Wobei zehn für das attraktivste stand. Es fanden sich erstaunlicherweise überwiegend gleiche Nummernpaare. Das bedeutet, man kann seinen eigenen „Marktwert“ meist schon realistisch einschätzen.
Wobei die Attribute, die diesen bestimmen eigentlich echt bescheuert und ein Armutszeugnis darstellen. Trotzdem irgendwie nicht zu leugnen.
Objektive Schönheit. Körperliche Attribute, Kleidungsstil. Was man eben so anhand des ersten Eindrucks herleiten kann.
Sex mit Hannes stand nicht zur Debatte, weil er ne 9,5 ist und ich…vielleicht ne sieben bis acht. Ich wollte mir nicht die Blöße geben. Und da ich so gering von mir dachte, blieb ja nur noch folgende Möglichkeit als Begründung, warum etwas hätte laufen können:
Ich würde herhalten, für irgend eine Spannung derer er sich lediglich entledigen wollte. Mal eben so, weil ich grad so da war und er zu besoffen und somit irgendwie auch gleichgültig, was oder wen er da so hernimmt.
Das Bild, das sich von ihm abzeichnete wurde einfach nicht sympathischer.

Ich lenkte vom Thema ab „Bist du öfters dort?“ und verwies auf die Bar, in der wir uns kennenlernten.
„Nein, war jetzt das erste Mal.“
„Hat es dir dort gefallen?“
„Ja, war ganz nett. Auch mit der Live Jazz Musik.“
„Na dann, laufen wir uns ja da vielleicht irgendwann mal wieder über den Weg.“
Ich gab damit zu verstehen, dass ich interessiert bin ihn wieder zu sehen.
Warum tat ich denn DAS jetzt?!!

Wieder schwieg er.
Die Pöbelnden jungen Typen, wurden wieder lauter und im Tonfall leicht aggressiv.
Scheinbar sah ich etwas eingeschüchtert aus.
„Alles ok bei dir?“
Fragte er, fast fürsorglich.
„Is mir grad n bisschen viel.“
Damit hätte ich jetzt auch ihn meinen können und seine mich musternden Blicke.
Streng und skeptisch sah er zu den Typen rüber. Daraufhin beschwichtigte das Mädel aus der Gruppe, die Typen.
Machte aber auch nur deutlich, dass er sich seiner Wirkung bei Frauen bewusst ist.
Es wurde ruhiger.
Das beeindruckte mich nun wiederrum.
Ich musste an den Wirt denken, der mir Geleitschutz organisieren wollte, den ich nun zu haben schien.
Erstaunlicherweise gab mir seine Anwesenheit schon mehr Sicherheit. Er sah auch nicht aus, wie der Typ, der sich prügeln würde. Sondern einfach zu souverän, so dass sich eh keiner mit ihm anlegen würde. Mit seinem kühlen, zwar total besoffenen, dennoch Respekt einflößenden Blick, würde er seinen Angfreifer wohl zu  Boden starren. Eiskalt würde er sie an seiner aalglatten Fassade abschmieren lassen.

Die Bahn näherte sich der Station, an der ich aussteigen musste.
Er würde noch eine weiter fahren.

„Ja und? Woll’n wir noch zu dir?“
Ich dachte ich höre nicht richtig!
Ich wusste nicht ob ich mich freuen und mich geschmeichelt fühlen sollte, oder beleidigt, weil er mich nur für so einen schäbigen ONS will, bei dem er sich, völlig besoffen, vermutlich einfach nur kurz, wenn überhaupt, über mich drüber rollen würde. Um am nächsten Tag alles zu bereuen, bei dem ersten verkaterten Blick in mein Antlitz.

Ich konnte mir das Grinsen jedoch nicht verkneifen. Offensichtlich fühlte ich beides.
Was sollte ich denn jetzt antworten?? Ich konnte ihn unmöglich mit zu mir nachhause nehmen, da ja meine Mutter bei mir wohnt.
Da wir eher wie Freundinnen sind – schon immer waren – als wie Mutter und Kind, klappt das ziemlich gut.
Und für uns beide war es, solange ich den Hund hatte, auch sehr praktisch.
Sie konnte sich wieder ein finanzielles Standbein in Deutschland aufbauen, ich konnte Miete sparen und hatte einen Hundesitter, quasie.

Jetzt, da der Hund nicht mehr da ist und ich mich sozial wieder mehr nach außen ausstrecke, scheint bald eine neue Wohnsituation erforlderlich zu werden.

„Das geht nicht. Ich wohne nicht allein.“
„Ein Freund?“ fragte er unbeeindruckt.
„Nein, kein Freund“ gab ich zurück.
„Die Mutter?“
HÄÄÄ??? Wie konnte er DAS denn nun wissen?!
Ich scheine für ihn so mysteriös wie das kleine Ein X Eins zu sein.

Ich hingegen war verblüfft und schockiert über seine Einschätzungsfähigkeit im Suff.
Wie wäre der erst drauf, im nüchternen Zustand.
Ne, also da wo ich hinwill, kommt der schon lange her.

Ein Kräftemessen mit ihm habe ich klar verloren.
Was ich hingegen behielt, war meine Würde. Ein weiteres Mal.

Ich schüttelte den Kopf. Lächelte, zuckte entschuldigend mit den Schultern.
Ich hätte schon gern mit ihm geschlafen. Aber nicht so. Und, da ich jetzt seit geraumer Zeit den Sport schwänzte
und mich systematisch mit Alkohol betäubte, war mein Selbstbewusstsein auch nicht so, dass ich es hätte genießen können. Und was bliebe, selbst wenn es toll wäre, ist das „Gefühl danach“.

„Vielleicht sieht man sich dort dann ja irgendwann mal wieder.“ flüsterte ich ihm ins Ohr, als ich mich zur Verabschiedung vorbeugte und ihm meine Hand entgegenstreckte. Er roch sehr, sehr gut. Wenn jemand gut riecht bin ich fast wehrlos.
Meine Sinne können mich manchmal gänzlich fehlleiten.
„Ich muss hier auch raus“
„Ich denke, du fährst eine weiter.“
Wir standen beide auf. Er ließ mir den Vortritt.
„Nein, diese Station ist näher dran.“
Nun standen wir beide bedröppelt auf dem U Bahnhof. Ich mit dem Körper in Richtung eine Treppe tiefer, er in Richtung Ausgang, eine Treppe höher.
Beide den Blick einander zugewandt und abwartend, ob der jeweils andere tatsächlich losgeht.
Er hob beide Schultern an, die Hände nach oben. Diese Gestik fragte „Was nun?“:
Ich hob die Hand und winkte.
„Mach’s gut.“ lächtelte ich bedauernd.
Er zögerte noch einen Moment, als könnte er nicht glauben und fassen, dass ich tatsächlich und endgültig für diesen Abend bei meiner Entscheidung blieb.

Ich drehte mich um und torkelte davon.

Auf meine Anschluss Ubhan wartend hatte ich ein bisschen Schiss, dass er doch nochmal zu mir kommt und mich vom Gegenteil zu überzeugen versucht.
Tat er aber nicht.

Noch in der selben Minute schrieb ich meiner Freundin, mit der ich unterwegs war, eine SMS.
Sie fand es einen lustigen Zufall. Dann fiel mir auf, was es tatsächlich für ein komischer Zufall war und wie es doch, trotz der Antipathie harmonierte.

Sie sagte, es sei kein Wunder, dass er mich das fragte, so tief, wie er mir in die Augen sah, in der Bar.
Hä? Wo war ICH da bitte, als das passiert sein soll?
Ich war mal wieder tief erschüttert, dass ich eine völlig verschrobene Wahrnehmung von mir selbst und meiner Wirkung habe.
Ich hatte nicht mitbekommen, dass er mir in der Bar tief in die Augen sah.
Im Gegenteil. Ich dachte eigentlich, dass er auf meine Freundin stand.
Zum Schluss fand ich es jedoch eigenartig, dass er mich fragte, ob wir zu mir wollen.
Warum nicht zu ihm? Was hatte ER zu verbergen?
Oder machen Männer das heutzutage so?

Mein Fazit:
Ich will und muss echt und wirklich wieder mit diesem Binge-Saufen aufhören.
Ich will wieder dreimal die Woche zum Sport, damit ich mich besser fühle.
Ich will bald wieder allein wohnen. Wobei ich ihn vermutlich mitgenommen hätte, wenn ich allein gewohnt hätte, wider besseren Wissens.
Betrachtet man die Begegnung mit Hannes genauer, scheint es wohl tatsächlich sowas wie Synchronizität (C.G.Jung) zu geben.
Online Flirten und in echt Flirten haben soviel gemeinsam wie Tag und Nacht.
Fressanfälle waren diese Woche kein Thema. Ist aber ein klarer Fall von Suchtverschiebung.
Von Essen auf Alkohol und Sex.
Vermutlich kommt als nächstes wieder eine Verlagerung zurück auf Sport und Sex.
Ich finde meine Mitte noch immer nicht. Mit 40 Jahren benehme ich mich wie ein grenzenloser Teenager,
der seine Grenzen sucht…in der Sucht.

Hat ja auch niemand behauptet, dass Erwachsen werden einfach ist.

Schwimmen, Schweben, Fliegen, Fallen.

Die Badewanne ist dieser Tage meine beste Freundin.
In sie gestiegen, fühle ich mich wie in eine warme weiche Decke eingehüllt.
In ihr schwebend, abtauchend, untertauchend.
Aus ihr entstiegen, wie neu geboren.

PhotoGrid_1438030172888Arbeiten. Schlafen. Maßlos feiern und trinken. Schlecht und zu wenig schlafen. Erschöpft arbeiten. Vollkorn Nudeln essen – die sollen wohl erden. Außerdem machen sie einen Blähbauch. Dann schlafen, weil müde (das ist wohl gemeint, mit erden?).
Plötzliches Erwachen. Ab zum Sport. Gut durchgeschlafen. Ausgeruht erwachen. Arbeiten. Gleich im Anschluss, bis morgens maßlos feiern und in den Rausch saufen. Fremd-Übernachten. Wenigstens kein Sex. Ein Glück.
Selbstschädigung wenigstens nicht grad jetzt und nicht SO.

Wie ich wieder einmal eine weitere Woche die Kurve nicht bekam.
Ich schwimme. Innerlich und auch in meinem Leben.

Ich ärgere mich, so mit meinem Körper umzugehen. Alkohol ist Gift. Medizinisch findet eine Vergiftung statt.
Bei jedem Schluck, den ich zu mir nehme, bin ich mir dieser Tatsache bewusst.
Genauso, wie ich weiß, was Zucker mit meinem Organismus anrichtet, wenn ich diesen zu mir nehme.

Bei jedem Stück Schokolade, bei jedem Löffel Zucker, sehe ich vor meinem geistigen Auge wie die, vermutlich eh schon erschöpfte Bauchspeicheldrüse, Insulin im Übermaß produzieren muss.
Manchmal ist das Wissen darum nicht nur ein Genuss/Spielverderber sondern auch noch eine Extrabelastung.
Denn, ich müsste es eigentlich besser wissen.

Ich weiß soviel. Naja…und noch mehr, nicht.

ABER

Ich weiß, was für mich gut ist. Ich weiß, was weniger gut ist. Nicht nur auf Lebensmittel bezogen.
TROTZDEM widersetze ich mich meines besseren Wissens.

Grade so, als führte ich noch immer die Revolution, die Rebellion gegen meinen Vater und meine Mutter.
Die beiden, die immer darauf bedacht waren, dass ich gesund esse, damit ich schlank bin.
Ich esse eigenartig.

Esse immernoch nicht DAS, worauf ich Appetit habe. Aus Angst, ich könnte nicht mehr damit aufhören.
Das heißt für mich in das Leben übersetzt:
Ich gönne mir immernoch nicht das, was ich möchte.
Sei es die Liebe. Der Beruf. Die Freunde. Doch, hier schon. Zumindest arbeite ich daran offen zu bleiben und mich nicht in meinem Einsiedlerkrebs-Dasein zu verstecken.

Aber im Moment kommt mein Alter – 40 Jahre – und klopft mir permanent an den Schädel. Es beißt mich im Nacken, den ich mit Yoga Übungen wieder zu entspannen versuche.
Und hey  – ich gehe weiterhin zum Sport – weil er mir gut tut.
Es ist also nicht alles verpatzt und daneben diese Woche.

Vielleicht ist es einfach auch nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen?
Kann ja sein?
Ich hoffe.
Das würde bedeuten, dass ich nicht der Loser bin, für den ich mich grad halte, weil ich nicht alles perfekt schaffe.

Das würde bedeuten, dass das Leben garnicht mal soooo schlecht weitergeht, bis es zuende ist. Auch, wenn ich Fehler mache.
Vielleicht ist mein Körper nicht voller endloser Geduld und wird bald kollabieren?
Vielleicht fällt mir aber auch morgen ganz blöd ein Ziegel auf den Kopf.
Oder ich habe ein unbemerktes Aneurysma und falle deswegen einfach so tot um, jetzt gleich.

Es ist vorbei, wenn es vorbei ist. Aber bis dahin, habe ich versucht mein Bestes zu geben und auch zu leben.

So schwimme ich von Tag zu Tag. Gefühlsfrei derzeit. Aber nicht depressiv-gefühlsfrei.
Ab und zu bricht immer noch die Trauer durch. Plötzlich, kurz und heftig.
Was erwarte ich? 12 Jahre enger Verbundenheit kann man nicht einfach wegwischen.
Das Gewahrsein, dass er einfach weg ist. Nicht mehr da. Nicht mehr existent. Das tut weh.
Der totale und absolute Verlust, der sich einfach ÜBERHAUPT NICHT und GARNICHT begreifen lässt.
Ich fühle es. Aber begreifen kann ich es nicht.
Einfach weg. Für immer.

Ich hoffe noch immer, dass es nicht für immer ist.

Immer wieder.

Ich werde mich Mittwoch mit einem jungen Mann treffen. Ich freue mich darauf.
Es ist aufregend. Ich habe auch hier die Hoffnung, etwas zu erleben, an das ich schon längst nicht mehr glaube.
Ich weiß, dass ich es nicht finden kann, da es nur dieses eine Mal sein wird.
Und trotzdem werde ich mich mit ihm treffen.
Weil ich will.
Wider besseren Wissens.

Das Kind in mir will spielen und ich habe es nicht im Griff.
Es war vielleicht zu lange und zu fest im Würgegriff meiner Kontrolliertheit (außer der, über das Essen). Stellvertretend für meine Eltern.
Oder man könnte sagen, dass sich die Kontrolliertheit jetzt mehr und besser verteilt.
Damit sie aber nicht wieder zu sehr Oberhand und auch noch einseitige erlangt, begehrt mein Kind so stark auf.

Und dass es jetzt so frei dreht, ist einfach wieder mal das stark ausschlagende Pendel in das Gegenteil.
Bis es sich eingependelt hat.
Bis ich mich eingependelt habe.

Ich werde mich einpendeln. Da habe ich Vertrauen in mich. Ich kenne das schon.

Ich hoffe nur, dass ich nicht zu hoch fliegen und zu tief fallen muss.
Und dass, wenn ich fallen werde, ein Netz habe, das mich fängt und trägt. Sanft zu Boden.
Mit den Füßen zuerst landend.

Aber erst ist noch ein wenig schwimmen und schweben dran. Für alles gibt es eine Zeit.
Jetzt ist die Zeit, um schlafen zu gehen.
Gute Nacht alle da draußen.

Ich sagte „nein“!

Pünktlich sonntags den Post senden? Et schleift!

Essen? Geht so.
Es ist nicht so leicht, mit dem Essen aufzuhören, wenn es gut schmeckt.
Deswegen kann ich mir derzeit nicht das zu essen kaufen, worauf ich Appetit habe.
Ich esse das, von dem ich glaube, es sei gesund. Das ist aber nicht das, worauf ich Appetit habe.

Es fällt mir sehr schwer zu unterscheiden ob mein Körper da jetzt Appetit drauf hat oder meine Seele.
Warum sollte mein Körper Appetit auf Rote Grütze mit Vanillesoße haben?
Oder auf Pizza? Oder auf Weiße Schokolade? DAS ist wohl eher Seelenhunger.
Warum sollte ich meiner Seele Schokolade zu essen geben?
Ist doch letztlich nur ein Ersatz für das ist, was sie in echt braucht.

Und das wäre?
Ja, das weiß ich auch nicht so genau.

Da ich nicht mehr an das Konstrukt der romantischen Liebe glaube, zieht das nicht mehr.

Ich könnte es mal mit Dankbarkeit und Achtsamkeit probieren.
Das sollte dann zu ner Art von Liebe zu der Welt führen oder so.

Oder Liebe für mich selbst. Die Liebe zu mir selbst.
Wenn die Liebe für einen Menschen, rein psychologisch eh nur ein Versuch ist, sich selbst durch den anderen zu lieben, dann kann ich doch gleich mich selbst lieben.
Da wir Menschen aber im Optimalfall aber spiegelnde Wesen sind, denen man nachsagt, sie brauchen soziale
Kontakte, benötige ich wohl doch einen anderen. Um Liebe zu empfinden.

Überhaupt habe ich das Gefühl, dass ich einen anderen viel mehr lieben kann, als mich selbst.
Obwohl ich schon häufig ein übersteigertes Ego bei mir feststellen kann, könnte ich nicht behaupten, mich sonderlich zu lieben.

„Would you date yourself?“ heißt es in manchen Flirt-Ratgebern. Würde ich mich selbst daten?

Gute, echt sehr gute Frage.

Vielleicht muss man auch nicht alles immer so über-bewerten.
Vielleicht wünsch ich mir einfach nur…

Ich habe Angst davor jemanden zu brauchen. Jemanden so toll zu finden, dass ich Angst habe, ihn zu verlieren.
Also lasse ich lieber keinen richtig an mich heran. Das drückt mein Speck unter anderem aus, schätze ich.

Unglaublich von wieviel Angst wir Menschen getrieben sind. Und wie Angst als Motivator bei einigen zieht.
Auch unglaublich, wie sehr mein verkorkstes Essverhalten und Übergewicht mit dem Selbstausdruck meiner
Beziehungsangst zusammen liegt.

Das erklärt vielleicht auch meine eigenartige Neigung zu Dating Portalen, die letztlich auch immer nur Poppbörsen sind.
Zumindest erlebe ich das so.

Und mal fern ab des Beziehungsthemas, hin zum Beruflichen kann ich sagen, fühle ich immer mehr Unsicherheiten.

Ich denke zuviel nach. Ich muss meine Denkkiste echt abschalten lernen. Dieses ständige Katastrophen ausmalen tut mir nicht gut.
Wie heißt es so schön „Ich habe schon viele Katastrophen erlebt und einige davon sind sogar eingetroffen.“
Ich erwische mich dabei, wie ich über meine Verantwortung über Menschenleben nachdenke.
Der Hauptgrund, weshalb ich schon aus dem ersten Beruf ausstieg. Zu blöd, dass ich auf diesem Gebiet einfach gute Softskills zu besitzen scheine.

Ich muss da raus.
Ich muss und will das Bewusstsein entwickeln und den Mut, das zu machen, was ich wirklich will.
Ich will das schaffen. Ich will nicht für Menschenleben verantwortlich sein.
Ich will aus dem Gefängnis meiner Kindheit endlich entlassen werden. Wegen guter Führung.

Ich habe Angst davor mich beruflich zu verändern, weil ich erstens nicht wüsste, wie ich es finanzieren sollte. Die Ausbildung und mein Leben. Und ich habe Angst davor, weil es berufliche Selbstständigkeit mit sich brächte.
Alles hat Vor und Nachteile.
Ich könnte sicherlich auch eine Festanstellung bekommen. Könnte ich?
Zumindest rein theoretisch.

Ich grübele und zergrübele.
Nicht gut!
Um nicht zu grübeln, lenke ich mich ab. Mit Männern. Weil Männer schlanker halten, als Essen.

Aber beides bedient jeweils nur mein Suchtmuster, das immer laut wird, wenn ich…ach eigentlich kräht es immer.
Nicht nur wenn, dann. Sondern immer!

Das Treffen mit dem väterlichen Typen verlief…naja wir waren Kaffee trinken.
Es war platonisch. Das gefiel mir. Warum nicht auch mal einen übers Netz kennen, mit dem man
nur ausgeht.
In einem Anflug von Unternehmungslust und niemandem sonst, der Zeit hatte, verabredete ich mich ein zweites Mal mit ihm.
Hierbei stellte sich dann heraus, dass sein Interesse an mir nicht rein platonisch war.
Und ich?
Ich sagte „nein“.
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Vor noch ein paar Jahren hätte ich, aus der Unfähigkeit heraus „nein“ zu sagen, mit ihm geschlafen.
So entstand tatsächlich meine vorletzte Beziehung. Hielt auch nur ein Jahr. Ein Jahr zuviel mit etwas, das ich eigentlich garnicht wollte.

Gut zu sehen, dass auch ich irgendwie Fortschritte in Richtung Selbstschutz, Selbstrespekt und Abgrenzung mache.
Auch, wenn es wieder einmal nur Babyschritte sind.